Mittwoch, 23. März 2016

Sewing by the Sea - Mein erstes Nähtreffen

Ich bin jetzt - fast eine Woche danach - noch immer ganz geflasht von den vielen tollen Eindrücken.
Aber der Reihe nach:

Ich bin ja völlig unerfahren was Nähtreffen angeht. Bislang habe ich immer nur alleine auf meinem Dachboden genäht. Über Nähtechnisches ausgetauscht habe ich mich bisher nur innerhalb meiner Familie, hauptsächlich mit meiner Schwester, meiner Mutter und meiner Schwiegermutter, die alle nähen können. Nähende Freunde oder Bekannte in meiner Umgebung kenne ich nicht, sind mir nicht aufgefallen, oder sie haben sich bisher nur noch nicht geoutet.

Deswegen war ich ganz begeistert, als Alexandra letztes Jahr Ende Oktober zu "Sewing by the Sea" aufgerufen hat. Ich habe schon immer ganz interessiert die Berichte nach der AnNÄHerung in Bielefeld oder der AnNÄHerung Süd im Netz verfolgt. Ich gebe auch zu, dass ich die Vorstellung zu mehreren in einer Jugendherberge zu übernachten etwas merkwürdig fand, liegt doch meine letzte JuHe-Erfahrung ca. drei Jahrzehnte zurück und bin ich mit meinen Schlafgewohnheiten eher die Prinzessin auf der Erbse als jemand der immer und überall in tiefen Schlaf versinken kann.
Hier nocheinmal vielen lieben Dank an meine lieben Zimmergenossinnen Sabine, Ruth und Sabine. Es war sehr nett mit Euch!

Ich konnte im Vorfeld überhaupt nicht einschätzen wieviel man in der Zeit wohl nähen kann. Fürs Zuschneiden und Einlage aufbügeln habe ich vorher zu Hause gefühlt unendlich viel Zeit verbracht. Und es war dann komisch, die Sachen weglegen zu müssen und erstmal nicht zu nähen.


Los ging es ja schon am Donnerstag nachmittag/abend. Nach dem Einchecken, was in einer Jugendherberge natürlich heißt, Bettwäsche organisieren und Bett selbst beziehen, wurden die Nähplätze im Reitstall, einem Nebengebäude vom Schloß, eingerichtet. Sieht das nicht heimelig aus?






Pünktlich um 18 Uhr gab es Abendesssen.

Es ist ja immer irgendwie wichtig, egal wo man war, zu berichten wie das Essen war. Auf Schloss Noer gab es einfache Kost, aber es hat durchaus geschmeckt. Mir ist dabei auch bewußt geworden, wie speziell, vielfältig und anspruchsvoll heutzutage gegessen wird (und früher nicht) und aus welchem Überangebot wir schon beim Einkaufen auswählen können. Somit war das JuHe-Essen am Wochenende eine Back-to-the-roots-Erfahrung, die aber in unserem heutigen Überfluss auch mal gut tut.

Nach dem Abendessen hat erstmal jeder sich und seine geplanten Projekte vorgestellt. Dann ging es gleich ans Nähen. Der Tauschtisch wurde gefüllt und die Pinnwand war eingerichtet:




Leider hatte sich in der Nacht zum Freitag bei mir eine fiese Migräne zusammengebraut, so daß ich am Morgen schon fest entschlossen abreisen wollte. Nach einem kleinen Spaziergang und dem Frühstück ging es mir ein bisschen besser und ich habe mich dann doch erstmal an meine Nähmaschine gesetzt mit dem Gedanken "Ich probiere das jetzt und abreisen kann ich immernoch".

Zum Glück setzte der Nähflow ein und die Migräne wurde allmählich schwächer. Ich bin sehr froh durchgehalten zu haben. Ich hätte so viel Tolles verpaßt. Es war ein wunderbarer Austausch und ein Fachgesimpel rund ums Nähen. So viele tolle Kleidungsstücke sind an diesem Wochenende entstanden. Aber es war auch immer wieder interessant so viele getragene selbstgenähte Kleidung zu sehen. Von früh bis spät einfach Durchnähen zu können war einfach traumhaft.



Es gab so viele nette Begebenheiten:

Der plötzliche Stromausfall gleich am ersten Abend konnte zum Glück schnell behoben werden.

Tanjas Prym-Wendewerkzeug wurde wieder und wieder ausgeliehen und Anna war jedesmal so lieb und hat mit ihrer fachkundigen Unterstützung dafür gesorgt, dass es auch immer angewendet werden konnte.

Wenn ich an "Ruths kleine Boutique" denke, muss ich noch immer schmunzeln.

Bei unserem Ausflug am Samstag Vormittag in Eckernförde hat man sich im Wollgeschäft nebenan gewundert, warum es im einzigen kleinen Nähgeschäft am Ort heute so proppenvoll ist. So ist das, wenn die Nähnerds einfallen.

Die kleine Singer-Spieluhrnähmaschine in einem Dekoladen in der Fußgängerzone war ratz fatz innerhalb von einem oder zwei Tagen ausverkauft. Wahrscheinlich hat man sich auch da gewundert....



Alexandra hatte ja wirklich tolle Stoffe von "Fashion for Designers" dabei. In den blauweißroten Schirmchenstoff habe ich mich sofort verguckt und er mußte einfach mit. Es ging noch anderen so wie mir und ich bin schon ganz gespannt, was ihr anderen daraus nähen werdet. Ich habe den Stoff schon gewaschen. Die Farben leuchten noch immer und die Viskose fühlt sich super an.
Auch auf dem Tauschtisch bin ich fündig geworden und werde mit Sicherheit alle Stoffe von dort vernähen. Ich habe schon ein paar Ideen dazu.

Letztlich habe ich zwei Kleider genäht, die bis auf kleine noch notwendige Änderungen fertig geworden sind, und die Ottobre-Jacke angefangen.

Mein Plan sah so aus:



Tragefotos werden auf jeden Fall noch folgen....

Hier aber erst noch ein paar Bilder vom Wochenende:

Der Reitstall:



Das noch unbesetzte "Nähstübchen" früh am Morgen:


Das Schloss mit Schlosspark. Ab und zu kam die Sonne raus:


Früh morgens am Ostseestrand sah es noch so aus:








Das Wochenende folgte dem Rhythmus: Schlafen, Frühstück, Nähen, Mittagessen, Nähen, Kaffee und Kuchen, Nähen, Abendessen, Nähen usw. Ich habe es bisher selten erlebt, dass mir Schlafmangel so wenig ausmacht. Trotzdem habe ich die ganzen Tage durchnähen können.

Die Abschlusspräsentation fand am Sonntag nach dem Mittagessen im Ballsaal statt. Das richtige Ambiente dafür. Es waren so viele wunderschöne Kleidungsstücke zu sehen: Kleider, Jacken, Röcke, Oberteile, die alle gewürdigt und beklatscht wurden.

Das Nähwochenende war ein super tolles Erlebnis, von dem ich sicherlich noch lange zehren werden. Ich bin inspiriert und voller Ideen für viele neue Nähprojekte und habe viele Schneiderinnen, Hobbyschneiderinnen, Näherinnen, Nähnerds, Nähnerdettes - oder wie auch immer wir uns nennen - kennenlernen dürfen.
Ganz lieben herzlichen Dank an Alexandra von MamaMachtSachen, die das ganze Event geplant und so toll organisiert hat. Auf ihrem Blog findet ihr alle Berichte zu Sewing by the Sea 2016.

LG Angela

Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht! Es war wirklich eine tolle Erfahrung!
    LG Monika

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  2. Es macht so Freude, über Euer Treffen zu lesen, ich wäre gerne dabei gewesen, das Schicksal war dagegen. Irgendwann klappt es. Die schönen Fotos bringen das Feeling rüber und geben einen angenehmen Eindruck von Euren Erlebnissen. LG Agathe

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